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Die Schmiede des Dorfes Struppen und Ihre Besitzer Teil II 1901-2005
Von Roland Bauer
Nach der Gründung des zweiten Kaiserreiches 1871 setzte in Deutschland eine Zeit der Prosperität ein. Das wird auch am Beispiel unserer Dorfschmiede sichtbar. Das Vermögen ihrer Eigentümer wuchs. 1880 konnten C. G. Brunisch und 1897 Emst Fischer in Gebäudean- und -neubauten investieren. Zum anderen war die Marktlage offensichtlich so gut, dass sich Fischer 1901 in der Lage fühlte, mit der Stellmacherei noch ein weiteres Handwerksuntemehmen neben der Schmiede zu betreiben. Allerdings verkaufte er das Stellmachergebäude zusammen mit einem Teil seines Grundstückes an Friedrich Herold. Dieser richtete dort eine Maschinenbauerwerkstatt ein. Das Obergeschoß wurde zur Wohnung ausgebaut. Seine Tochter aus erster Ehe veräußerte später das Grundstück an den Hufschmied Christian Otto Karl Scheinert, den Vater von Wolfgang Scheinert.
Am 24. März 1901 erwarb Heinrich Emst Benedix_das Schmiedegrundstück Blatt 31 Fl. Nr. 30 von Schmiedemeister Johann Emst August Fischer in Struppen für 22 500 M.
Ansicht der Schmiede von der Dorfstraße aus um 1900
E. Benedix stammte aus Krebs und wohnte mit seiner Frau einige Zeit in Oberpeuritz bis er durch den Kauf der Schmiede in Struppen sesshaft wird.
Emst Benedix war nicht nur ein guter Schmied sondern vor allem ein kluger und gewiefter Geschäftsmann. Schon vor dem ersten Weltkrieg (1914-1918) begann er, sein Geld in Grundstücken anzulegen. Die schwere Zeit nach dem ersten Weltkrieg überstand die Schmiede.
Mit dem Einsetzen des wirtschaftlichen Aufstiegs in der Weimarer Republik entfaltete Benedix seine unternehmerischen Fähigkeiten erneut. Er begann, den Übergang von einer reinen Schmiede zu einem metallverarbeiteten Betrieb anzubahnen.
In der Vergangenheit erfolgte in der Schmiedewerkstatt durch Kalt- oder Warmverformung eine Veränderung der schmiedbaren Metalle in Form, Gefügestruktur und Oberfläche. Die Metallverarbeitung stellte geformte Werkstücke aus Metall her, bearbeitet sie und baut sie zu funktionsfähigen Erzeugnissen zusammen. Dieser Übergang wird beispielsweise darin sichtbar, dass Benedix am 3.September 1926 die Genehmigung für die Aufstellung eines Acetylenentwicklers der Firma Wächter zur Gaserzeugung erhielt. Damit war Benedix der erste Metallbetrieb in der Amtshauptmannschaft Pirna, der ein solch modernes Gerät besaß. Er war nun in der Lage auch Schweißarbeiten in seiner Werkstatt auszuführen.
Die Schmiede um 1920 (Hinten rechts: E. Benedix)
Als es absehbar wurde, dass den Kraftfahrzeugen die Zukunft gehört, erkannte Benedix dies schnell und investierte 1926 in den Bau einer Benzintankstelle.
An der Tankstelle Zweiter von links E. Benedix
Auch später zeigten sich die untemehmerischn Fähigkeiten von Benedix. So erhielt er bspw. am 8. Februar 1955 die Genehmigung zur Aufstellung eines Kraftfederhammers. Mit diesem wird das Ausschmieden der Pflugscharen nicht nur erheblich erleichtert, sondern es ging auch viel schneller.
Ebenfalls spielte Benedix im öffentlichen Leben Struppens eine wichtige Rolle. Er war Mitglied in mehreren Vereinen. So zeigt ihn beispielsweise die folgende Abbildung als Mitglied des Militärvereins.
Struppener Vereine ehren am Kriegerdenkmal
gegenüber der Schmiede
die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1936
Bildmitte Emst Benedix
Die Schmiede nahm stets am öffentlichen Leben des Dorfes teil. So beteiligte sie sich beispielsweise an Umzügen und Heimatfesten., wie die beiden Aufnahmen belegen,
Festwagen der Schmiede bei einem Umzug 1933
(Untere Reihe: 2. v.l Olga Kind, 4.v.l Schmiedemeister Max Gerisch. (alte)
Obere Reihe: l.v.l:R. Kind 2.v.l. E.Benedix, 3.v.l:Schmiedemeister ErwinGerisch
725 Jahrfeier der Ersterwähnung Struppen 2000
Von links: Manuela Renner (mit Keuschheitsgürtel), Jens Hauschild, Andre Petters, vom der Autor
Das Alter der Schmiede war zum damaligen Zeitpunkt nur bis 1736 bekannt
Benedix baute sich als Alterssitz gegenüber der Schmiede ein Zweifamilienhaus (jetzt Fam. Kunath). Dort lies er einen Gedenkstein anbringen. Auf ihm stand u.a. „erbaut mit Gottes Hilfe”. Von manchem Zeitgenossen wurde damals gehässig hinzugefügt „und der Bauern Geld”.
Nicht unerwähnt möchte ich den Nachbar des E. Benedix lassen, denn er ist ein Original von Struppen. Otto Scheinert mit seinen Dackeln ist für seine Zeitzeugen unvergessen. Er war von Wuchs nur klein, aber für seine Kunden und seine Arbeitsleistung war er ein großer. Die Liebe zu seinen Hunden war für Ihn das Größte; daß führte dazu, dass er sich vor ein Auto warf um seinen Hund vor dem Überfahren zu bewahren. Für die älteren Struppener ist auch dieser Mann unvergessen.
An dem Wohnhaus der Schmiede zeigten sich Baumängel. Das war bei dem Alter der Gebäude sicher kein Wunder. Am 11. November 1942 beschwerte sich darum eine im Hause wohnende Mieterin beim Landrat darüber, dass ihre Wohnung mit Hausschwamm durchzogen sei und das Mauerwerk Risse habe, durch welche die Außenluft ungehindert eindringen könne. Es folgte eine amtliche Besichtigung des Objektes. Man machte zwar’ bauliche Auflagen, aber fügte gleich hinzu, dass eine Materialbereitstellung wegen kriegswichtigeren Baumaßnahmen der Wehrwirtschaft nicht erfolgen kann. Die notwendigen Baumaßnahme wurden schließlich mit eigenem Material durch die Firma Fischer aus Königstein durchgeführt.
Die Zukunft war gegen Ende des 2. Weltkrieges ungewiss. Deshalb übertrug Benedix den Nießbrauch seiner Liegenschaften auf seine beiden Töchter und sicherte damit sein Vermögen vor Enteignungen.
In der Schmiede arbeiteten stets mehrere Gesellen und Lehrlinge. Auf dem 1. Bild mit dem Umzugswagen finden sich die Schmiedemeister der beiden anderen Schmieden. Weil die gesellen während des zweiten Weltkrieges in den Krieg ziehen mussten, beschäftigte die Schmiede in den Kriegsjahren immer 1-2 Lehrlinge.
Zu denen die bei E. Benedix lernten gehörte seit 1933 Richard Kind aus Mitteindorf. Dieser schloss nach drei Jahren die Ausbildung erfolgreich ab. Danach begann er mit der Meisterschule. Benedix war zu dieser Zeit Obermeister der Innung und Lehrer für den Gewerbeunterricht. Zu seinem ehemaligen Lehrling war er besonders streng. Aber vielleicht steckte auch ein anderer Grund dahinter. R. Kind verliebte sich nämlich in dieser Zeit in Olga, die Tochter seines Lehrmeisters. 1941 wurde Hochzeit gefeiert. Danach musste der frischgebackene Ehemann in den Krieg. Bei der Wehrmacht legte er die Hufbeschlagprüfung ab. Nachdem er aus der englischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, führte er mit seiner Frau seit 1945 maßgeblich das Geschäft weiter.
1945 kam auch der Schmied Werner Pabst aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause. E. Benedix holte diesen sofort als Aushilfe und meldete ihn auf dem Landratsamt als Beschäftigten an. Pabst hatte noch richtig Handschmied(und dazu das herzhafte Fluchen) in Pirna gelernt. Er hing mit Leib und Seele an seinem Beruf und lebte nur für ihn (und seine Zigaretten) sowie seine Familie. 1991 schied er aus Altersgründen aus dem Betrieb aus. Viele Struppener haben ihn sicher noch in guter Erinnerung. Der Autor hatte zu ihm fast ein Vater – Sohn -Verhältnis und verdankt ihm sehr viel.
Benedix starb 1962.
Die eine Tochter des E. Benedix erhielt dessen Alterssitz, d.h. das Zweifamilienhaus gegenüber der Schmiede als Erbe übertragen. Die andere, Martha Olga Benedix, am 2.April 1946 von Ihrem Vater das Grundstück und die Schmiede. Sie führte diese zusammen mit Ihrem Mann Richard Kind bis zum 02. Juli 1978.
1962 -1978 Richard Kind
Durch die Gründung der LPG entstand für die kleine Firma eine schwere Zeit. Bis auf das Beschlagen von 24 Pferden brach die Arbeit fast komplett weg, da die Bauern wegen der Zwangskollektivierung unsicher waren. Aus der Landwirtschaft kamen keine Aufträge mehr. Richard Kind gelang es damals, aus der Industrie Aufträge zu erhalten. Die Direktive des ZK, Räder müssen rollen um jeden Preis, half ihm sehr, er fertigte maßgeblich für das RAW Dresden mehrere Komponenten für Güterschüttwagen und viele Leistungen für die Bauindustrie.
Richard Kind war Herzkrank und musste deshalb vorzeitig seinen Beruf aufgeben.
1978 – 2003 Roland Bauer
Durch Maßnahmen des ZK der SED zur Förderung des Handwerks bestand zu jener zeit die Möglichkeit, sich als Handwerker selbstständig zu machen. Das nahm R. Bauer wahr. Als er erfuhr, dass R. Kind wegen seiner Krankheit seinen Betrieb aufgeben musste, kaufte er am 03. Juli 1978 Martha Olga Kind die Schmiede und das dazugehörige Grundstück ab.
Zu dieser Zeit wohnten 4 Familien im der Schmiede, darunter Fritze Göhler, der noch einige Jahre in der Schmiede, soweit es sein Gesundheitszustand erlaubte, mit half.
Weil die Bausubstanz teilweise noch aus dem Anfangsjahren um 1548 stammte, hatte der neue Besitzer sehr viel an den Gebäuden zu tun. Erst nachdem das Gebäude nach und nach leer gewohnt worden war, konnte der Um- und Ausbau erfolgen. Die Beschaffung des Baumaterials stellte unter den Verhältnissen der DDR die größte Schwierigkeit dar. Das Besorgen des Baumaterials geschah oft auf abenteuerlichen Wegen. Unter dem Motto „es gibt nichts und jeder hat alles” oder „hast du was, dann kriegst du was” wurde diese Schwierigkeit gemeistert. Langsam wurden die Werkstattgebäude, die Zimmer des Wohnhauses modernisiert und für den Eigentümer eine entsprechende Wohnung ausgebaut.
In der Werkstatt arbeiteten zur Zeit der Übernahme 2 Gesellen. Im Laufe der Zeit erhielten 11 Lehrlinge hier eine tüchtige Berufsausbildung zum Schmied, Metallbauer und Installateur. Es ist angesichts gegenwärtiger Zustände anzumerken, dass sie damals alle den Abschluss schafften und tüchtige Handwerker wurden. So war bspw. Andre Petters (nur als Andre bekannt) der zweite Lehrling der die Ausbildung aufhahm. Er begann seine Lehre 1982 und war dann bis 2005 im Betrieb beschäftigt. Die Treue zur Firma, seinen Fleiß und die Ehrlichkeit hatte er vom Werner Pabst in der täglichen Arbeit übernommen.
Die große Wende 1989/90 brachte viele Einschnitte mit sich. Die Betriebe gingen alle Pleite, so dass die Arbeit von heute auf morgen wegbrach. Keiner brauchte mehr etwas und wollte die neue DM ausgeben.
Erst nachdem man sich an die neuen Bedingungen gewöhnt und mit großer Mühe wieder Arbeit gefunden hatte, ging es nach etwa einem Jahr wieder aufwärts. Zum zweiten Standbein des Schmiedebetriebes wurde die Installation von Heizungs- und Sanitäranlagen. Neues Personal konnte eingestellt werden. 1995 waren 36 Leute
beschäftigt. Weil die Lohnkosten zu hoch waren, musste die Personalstärke 1996 auf 12 Beschäftigte abgebaut werden. Zum Jahresende 2002 gab es noch 6 Beschäftigte in der Firma.
Ab 01.01.2003 erfolgte die Verpachtung der Firma an Bernhard Schneider aus Cunnersdorf. Schon nach kurzer Zeit ging die Firma am 26.04.2004 in die Pleite. Der Sohn des letzten Pächters, Stephan Schneider, pachtete danach den Betrieb. Doch schon am 31.05.2006 war auch er zahlungsunfähig und musste das Firmengelände räumen.
Da die Pächter nur auf Verschleiß gearbeitet hatten, vieles defekt und demoliert war, und alle Bewerber für die Liegenschaft und den Handwerksbetrieb keine ausreichenden finanzielle Grundlagen besaßen, entschloss sich der Inhaber, den Betrieb aufzulösen. Die komplette Metallbau- und Schmiedeeinrichtung wurde an einen Erwerber nach Pirna verkauft, in der Hoffnung, dass eines Tages dort der Betrieb weitergehen könnte.
Damit ging das älteste Handwerk in Struppen, das nachweislich 458 Jahre bestanden hat, zu Ende. In der ersten und letzten Schmiede Struppens wurde das Feuer gelöscht und der letzte Hammerschlag getan.
Quellennachweis: Hauptstaatsarchiv Dresden, Kreis-(Archive) Pirna, Kirchenbücher Struppen, eigene Unterlagen.
Vorwerk wüst, nah bei Struppen Vorwerk am Berg Ritterguth Neustruppen
Die Entstehung bzw. Ersterwähnung des Ritterguthes Neustruppen erfolgte am 10.Juli 1641 durch Johann Siegismund von Liebenau. Der Siegismund war am Hofe des Churfürsten Johann Georg II, zu Sachsen ein hochangesehener Militär und Adeliger, er war im Besitz von Zehista, und Langenhennersdorf, wurde vom Churfürst mit den Zwei in den Amts-Dörfern Struppen und Krietzschwitz gelegenen [...]
Willkommen
Mittelgasthof / Erbschänke Schloß Kleinstruppen Rittergutssitz Neustruppen Struppen ist in seiner Entwicklung vom Hufendorf über ein Rittergutsdorf bis zur heutigen Gemeinde im Verwaltungsverband eine liebenswerte Wohngemeinde für ca. 1250 Einwohner Über einzelne Abschnitte und Geschehen wollen wir hierüber berichten. Das Dorf hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, angefangen von den ersten Bewohnern der Wenden oder [...]






